Navigation Path: Home > The European Central Bank > Lehrmaterial > Präsentation: FAKTEN > Europäische Integration > Slide 9
EUROPÄISCHE INTEGRATION

Als es den Euro noch nicht gab, waren die Finanzsysteme national, d. h. auf die jeweilige Landeswährung, ausgerichtet. Der Binnenmarkt und insbesondere die Einführung der gemeinsamen Währung zogen unweigerlich eine Vernetzung der Systeme nach sich. Trotz der jüngsten Herausforderungen sind die Finanzmärkte (z. B. die Geldmärkte) sowie die mit ihnen zusammenhängen Finanzinfrastrukturen (z. B. die Zahlungssysteme), heute integrierter als vor der Einführung des Euro. Auch Finanzinstitute haben über Grenzen hinweg ihre Kräfte gebündelt, entweder durch Fusionen oder durch die Einrichtung von Niederlassungen im Ausland.
Auf die erste Vernetzung folgte in vielen Fällen eine wahrhafte Integration. So wurden z. B. die 15 nationalen Großbetragszahlungssysteme, die 1999 zu TARGET zusammengeschlossen worden waren, im Jahr 2008 durch ein technisch zentralisiertes, weitaus effizienteres System namens TARGET2 abgelöst. In bestimmten Bereichen besteht weiterhin Handlungsbedarf, zum Beispiel bei der Harmonisierung der Übertragung von Wertpapieren zwischen Verkäufern und Käufern innerhalb Europas. Hierzu wird TARGET2-Securities beitragen.
Durch das größere und immer stärker integrierte Finanzsystem, das der Euroraum bildet, können Unternehmen wie auch Privatpersonen in höherem Maße von Größen- und Verbundvorteilen profitieren. Privaten Haushalten steht ein vielseitigeres Angebot an Finanzprodukten – z. B. Hypothekarkredite für den Erwerb von Wohneigentum – zu niedrigeren Kosten zur Verfügung. Somit steigert die Finanzintegration das Wachstumspotenzial.
TARGET2 ist die erste auf europäischer Ebene voll integrierte und harmonisierte Marktinfrastruktur. Durch sie konnte die zuvor bestehende Fragmentierung beseitigt werden. Mit TARGET2 werden jeden Tag durchschnittlich 350 000 Zahlungen im Wert von insgesamt tagesdurchschnittlich 2,4 Billionen € abgewickelt. Der Durchschnittswert einer einzelnen TARGET-Zahlung lag 2011 bei 6,8 Millionen €.
Rund 900 Banken in 22 europäischen Ländern sind direkte TARGET2-Teilnehmer. Sie ermöglichen einer weitaus größeren Zahl von Banken den Zugang zu TARGET2, so dass rund 56 000 Banken weltweit Zahlungen über diese Infrastruktur veranlassen und empfangen können.
Doch es gibt nicht nur Zahlungssysteme, mit denen Geld übertragen wird, sondern auch Systeme für die Übertragung von Wertpapieren.
Ein solcher Service, der ab 2015 zur Verfügung stehen soll, ist TARGET2-Securities (T2S).
T2S ist die künftige IT-Plattform für Abwicklungsdienste in Zentralbankgeld für nahezu alle in Europa gehandelten Wertpapiere. Das Eurosystem hat diese Plattform entwickelt und fungiert als Eigentümer und Betreiber. Grundlegendes Ziel des T2S-Projekts ist es, Europa für Anleger attraktiver zu machen. T2S wird zur Integration und Harmonisierung des stark fragmentierten europäischen Wertpapierabwicklungsmarkts führen. Die Kosten für grenzüberschreitende Wertpapierabwicklung in Europa sollen gesenkt werden und der Wettbewerb unter den Anbietern von Nachhandelsdienstleistungen soll gesteigert werden. Zudem werden die Marktteilnehmer von einem erheblich effizienteren Sicherheiteneinsatz profitieren.
Ebenfalls in diesen Bereich fällt ein weiteres, von der EZB betriebenes Rahmenwerk, das sogenannte Korrespondenzzentralbank-Modell (Correspondent Central Banking Model, CCBM). Durch das CCBM ist es allen Banken im Euroraum seit 1999 möglich, Wertpapiere als Sicherheiten für Innertageskredite in TARGET2 oder geldpolitische Operationen des Eurosystems zu hinterlegen – unabhängig davon, wo innerhalb des Euroraums die Wertpapiere ausgegeben wurden.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden sich im Bericht „Financial integration in Europe“ (nur auf Englisch verfügbar). Dieser kann unter www.ecb.europa.eu/pub/pub/prud abgerufen werden.
Weitere Informationen zu SEPA sind abrufbar unter www.ecb.europa.eu/paym/sepa.
Einzelheiten zu TARGET2 finden sich unter www.ecb.europa.eu/paym/t2.
Informationen zu TARGET2-Securities finden sich unter www.ecb.europa.eu/paym/t2s/about.
Weitere Informationen zum Thema CCM sind abrufbar unter www.ecb.europa.eu/mopo/assets/coll/ccbm/html/index.en.html.
EI.009 01/13
Europäische Zentralbank